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Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.
"Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde."
Das isch es Zitat vom dütsche Philosoph Karl Jaspers.
Liebi Rüedlingerinne und Rüedlinger. Händ Ihr eu au scho mal gfröget,
was dänn Heimat isch? Es freut mich, dass ich hüt - am Geburtstag
vo üsere Schwiiz - es paar Gedanke zum Thema "Heimat" mit eu dörf
teile. Ich glaube nämlich, dass Heimat sälte öppis isch, wo mir
aktiv wahrnämed. Wüssed mir dänn, was Heimat isch oder gar wo si
isch?
Wonich im Internet gsuecht han, wiä Heimat dänn definiert wird,
han ich folgendes gfunde:
"Heimat verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum.
[…] Heimat kann eine Gegend oder Landschaft meinen, aber sich auch
auf […] Sprache oder Religion beziehen. Heimat bezeichnet somit
keinen konkreten Ort, sondern Identifikation. Es ist die Gesamtheit
der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst."
Dezue sind no wiiteri interessanti Fakte gnännt worde. Zum Biispiel,
dass de Begriff "Heimat" früener nur im juristische und geographische
Sinn verwändet worde isch. Heimat im poetische Sinn, wo also üses
Gfühl aaspricht, isch erscht i de Industrialisierig verwändet worde.
Au d' Heimatfilm vo de 50ger und 60ger Jahr ghöred zu dere Art Heimat
- die heili, nid immer ganz reali Wält. Spöter isch Heimat nomal
andersch verwändet worde. Nämlich als ä noch-nicht-erreichti Heimat.
Als öppis nicht-örtliches: "ein Gefühl, eine Hoffnung, eine Sehnsucht
- vor allem im Exil."
Won ich no es Chind gsii bin, isch Rüedlinge für mich mini Heimat
gsii. Und zwar sowohl im geographische als au im poetische Sinn.
Natürlich hanich das damals nid aktiv wahrgno. Ich het de Begriff
Heimat glaub au nie freiwillig verwändet usserd i de Schuel i de
Heimatkund. Aber, ich ha mir nid chöne vorstelle, dass es en andere
Ort git uf dere Wält, wonich würd welle wohne. I mim Pass isch unter
Heimatort zwar Buus, Baselland, gstande - das wär also mini juristischi
Heimat. Aber was hät mir das scho bedüüted? Ich bi Rüedlingeri gsii
und has au immer wölle bliibe. Spöter, wonich i di wiiti Wält zoge
bi - das heisst i d'Schuel uf Bülach, hät mini Verbundeheit mit
Rüedlinge wiiterbestande. Ich ha mich sogar 7 Jahr lang vo mine
Zürcher Schuelgspänli für min Dialäkt la uslache -damals hät dä
nochli andersch tönt wi jetzt - aber es wär mir nid im Traum in
Sinn cho, Züridütsch z'rede. Wär wott dänn scho en Zürcher sii.
Trotz allem häts mich dänn aber doch noch wiiter id Wält verschlage.
Is Äntlibuech, woni doch no de Rüedlinger Dialäkt abgleit und de
Luzerner Bergländer Dialäkt aagno han. Uf Friburg und dänn uf Züri,
womi all für e Bärneri ghalte händ und ich drum ha aafange Züridütsch
rede. S'händ mi dänn zwar all für en Aargaueri ghalte.
Ihr chönd eu vorstelle, dass ich langsam nüme so rächt gwüsst ha,
wonich eigentli häre ghöre. Mit em Aargau hani ja würkli nüt am
Huet gha und wänn mich öpper gfroget hät, wohär ich dänn sigi, hani
gseit: Ich wüssi eigentlich au nid genau und han de Lüt jedes Mal
mit eme Churzabriss vo mim Läbe an Chopf grüert. So vill händ's
glaub amig gar nid wölle ghöre. Mit all dene Umzüg und Dialäktwächsel
schiint mir es bitzeli mini Identifikation mit ere Region verlore
gange z'sii.
D'Schwiiz sälber ich mer dänn au plötzlich z' chlii worde. Irgendöppis
hani immer gsuecht und trotzdem nie gfunde. Vilicht isch es die
Art Sehnsucht und Hoffnig gsii, wi si im Internet zum Begriff Heimat
beschribe staht. Vilicht isch mir äs Stück Heimat verlore gange
und ich han e neui gsuecht? Jedefalls bini schlussändlich uf de
ganz andere Siite vo de Wält glandet: Nämli z' Australie. I dem
Land, wo nur z'Sunne schiint und ich mich über Räge wines Chind
gfröit ha. I dem Land wo d'Lüüt immer fründlich und spontan sind.
I dem Land, wo all Mänsche di gliichi Sprach redet, egal öb 1000
kilometer weschtlich, öschtlich, südlich oder nördlich. I dem Land,
wo so gross isch, dass es en ganze Kontinänt usfüllt.
I dem Land isch bi mir diä Sehnsucht nach ere Heimat eso riisig
worde, dass es mich schier verdruckt hät. Däm Gfühl seit mer au
Heiweh!
Ich han aagfange Zöpf bache und Birchermüesli mache - öppis, woni
i de Schwiiz nur sälte mache. Mis Schwiizer Sackmässer hät mich
immer und überall häre begleitet. Es isch es Abschiedsgschänk gsii
- bevor i uf Australie bin, hani nid emal eis gha. Es Schwiizer
Holzchüeli, es wiiters Abschiedsgschänk, hani prominänt i de Stube
ufgestellt - diheime wär's inere Chischte vergammlet. Schlussändlich
bini sogar am Schwiizer Club biiträtte. Det hämmer gjassed, Fondue
und Raclette gässe, natürlich de Erscht August zäme gfiiret (wo
au locker emal de 29. Juli hät chöne sii, demit er uf es Wuchenänd
gfalle isch).
All das hät mir in Australie gholfe. D'Erwähnig vo mim "Swiss Bank
Account" übrigens au einigi Mal, das allerdings nid unbedingt gege
s' Heiweh.
Im Schwiizerclub hät übrigens niemert gfröget, vo welem Kanton mer
isch. Mer isch eifach us de Schwiiz gsii. Fertig.
Ich ha mich zrugg gsehnt nach dem Land wo mer all paar Kilometer
en andere Dialäkt oder sogar en anderi Sprach redt. Ich han mich
zrugg gsehnt, nach de Villfalt vo de Schwiizer Landschafte, womer
chan durwandere, ohni dass mer vomene gförliche Tier oder ere giftige
Pflanze aagriffe wird; nach de Jahresziite, nach de Restaurants
womer en Salat au mit Sauce überchunnt. Ich ha mich zrugg gsehnt
nach de Lüt, wo wüssed, wer de Teleboy, de Barbapapa oder de Winnetou
isch, wo Schnee känned und es Rinnsal nöd als en Fluss aalueged
und wo ab und zue au mal z'Fuess nöimed häre gönd.
I dem Momänt dänn, wonich ändlich wieder i de Schwiiz gsii bin,
wonich di grüene Wiise gseh han, die blaue Seä und Flüss. I dem
Momänt, wos wuchelang grägnet hät ohni ein einzige Sunnetag. I dem
Momänt, woni bim uusstiiege usem Tram s'erschtmal wieder aagranzt
worde bin. I dem Momänt, han ich gwüsst: Ich bi dihei! Ich han mini
Heimat gfunde. Si isch nid in Rüedlinge, si isch nid in Züri, und
au nid im Aargau - wohii ich schlussändlich dank mim Maa doch no
mim Dialäkt gfolgt bi; es isch au nid Buus, Baselland, wis i mim
Pass staht. Nei, mini Heimat isch ganz eifach d' Schwiiz, ihri Kultur
und iri Mänsche.
Wi s'Internet seit: "Heimat bezeichnet keinen konkreten Ort, sondern
Identifikation." Oder de Karl Jaspers: "Heimat ist da wo ich verstehe
und verstanden werde." Wänn mich hüt öpper fröget, wohär ich dänn
sigi, sägi: "Us Dättwil bi Bade". Und solang min Wohnort i de Schwiiz
liit, sägi das mit eme guete Gfühl - und meh wänd d'Lüüt ja au gar
nid ghöre.
Ich hoffe, dass au ihr euri Heimat - vilich de eint oder di ander
ufeme chürzere Wäg als ich - gfunde händ!
Und jetzt wünsch ich eu no e schöns Geburtstagsfäscht vo üsem Land,
vo üsere Heimat. Danke für eui Ufmerksamkeit.
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